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«Dieser Markt ist gnadenlos»

  • Die Bauernfamilien passen sich den sich verändernden Bedürfnissen der Konsumentinnen und Konsumenten an und entwickeln ihr Angebot dynamisch weiter, schreibt der Verband. – zVg

Ob die Schweizer naturnah und tierfreundlich produziert, ist Sache der Konsumentinnen und Konsumenten und des Detailhandels. Dieser Ansicht ist der Schweizerische Bauernverband (SBV). 

Vier von fünf Franken verdienen die Landwirtinnen und -wirte in der Schweiz mit dem Verkauf ihrer Produkte. Der Absatz läuft grösstenteils über den Detailhandel. Und «dieser Markt ist gnadenlos», teilte der SBV am Mittwoch mit. Mit der Preisgestaltung würden die Detailhändler jeden Durchbruch in Richtung einer naturnäheren und tierfreundlicheren verhindern.

Kosten der Bauern nicht gedeckt

Denn die Labelproduktion lohnt sich vor allem für den Detailhandel, aber nicht für die Bauern. Dies geht aus einer jüngst publizierten Studie der Forschungsanstalt Agroscope hervor. Die Forscher untersuchten die Produktion bei Rindern und Schweinen auf IP-Suisse-Betrieben.

Die Resultate sind ernüchternd. Die Tierwohlprämie bei der Rindermast wird zu zwei Dritteln vom Markt und zu einem Drittel durch des Bundes finanziert.

Die Kosten für das höhere Tierwohl auf den IP-Suisse-Betrieben sind dadurch allerdings nur zu 72% gedeckt. Damit die Mehrkosten gedeckt wären, müssten die Marktprämie um 60% bzw. die Bundesbeiträge um 116% höher sein.

Die Kosten der Tierwohl-Leistungen bei den IP-Suisse Rindviehmast-Betrieben sind nur zu 72% von der Tierwohlprämie gedeckt (Labelprämie + BTS/RAUSBeiträge)
Agroscope

In der Schweinemast wird die Tierwohlprämie zu knapp 60% vom Markt und zu gut 40% vom Bund finanziert. Die Kosten der Tierwohl-Leistungen auf den IP-Suisse-Betrieben sind zu 91% von der Tierwohlprämie gedeckt.

Damit die Kosten für die anfallenden Aufwendungen kompensiert wären, müssten die Marktpreise um 16% steigen und die des Bundes um 22%.

Hohe Marge des Detailhandels

«Die Betriebe haben also höhere Kosten, als sie effektiv entschädigt bekommen», schreibt der Schweizer Bauernverband am Mittwoch in einer Mitteilung. Das schmälere die Attraktivität einer Label-Produktion zusätzlich zum erwähnten unternehmerischen Risiko, das vollumfänglich bei den Bauernfamilien liege.

Der Verband nimmt den Detailhandel in die Verantwortung. «Die Detailhändler gönnen sich für diese «Mehrwert»-Produkte einen kräftigen Margenaufschlag», heisst es weiter. Der Verkauf liesse sich höchstwahrscheinlich steigern, wenn der Mehrpreis im Laden angemessener wäre, folgert der SBV. Der SBV kritisiert die Detailhändler scharf. Der Idealismus sei nur in der Werbung zu sehen. Was nicht rentiere, werde «ausgemerzt».

Handel verhindert Durchbruch

Mit der Preisgestaltung würden die Detailhändler jeden Durchbruch in Richtung einer naturnäheren und tierfreundlicheren verhindern. Denn gerade beim Fleisch gebe es dauernd Aktionen, kritisiert der Verband. Und sinke so der Verkauf bei den Labelprodukten, würden die Händler ihre Bestellungen reduzieren. Dies ist für die Landwirte verheerend. 

Beim Fleisch gebe es dauernd Aktionen, kritisiert der Bauernverband.
zvg

Die Mehrkosten sollen über den Markt, also über höhere Produzentenpreise und Prämien, abgegolten werden, fordert der Schweizer Bauernverband. «Es ist nicht in unserem Interesse, dass diese Mehrleistungen über zusätzliche finanziert werden», sagte SBV-Direktor Martin Rufer gegenüber dem Konsumentenmagazin «Kassensturz» von SRF. Rufer meinte damit die beiden Detailhändler Coop und Migros. Sie hätten es in der Hand, die Prämien zu erhöhen, sagte er weiter. 

Konsumenten müssen Leistungen honorieren

Der SBV nimmt aber auch die Konsumenten in die Pflicht. Viel mehr Betriebe würden auf Bio oder andere tierfreundlichere und naturnähere Produktionsweisen umstellen, wenn die Konsumentinnen und Konsumenten das am Markt honorieren würden. Schliesslich bleibe den Bäuerinnen und Bauern aber keine andere Wahl, als sich an der Nachfrage zu orientieren. Denn die Konsumenten kaufen gemäss SBV zu 90 Prozent ihr Essen in einem Detailhandelsgeschäft ein.

«Wer reelle Verbesserungen will, der darf den Fokus nicht allein auf die Schweizer legen und sollte verstehen, dass stetig neue kostenintensive Auflagen ohne entsprechende Abgeltung – über Mehrwert am Markt oder eine Entschädigung in Form von – Widerstand auslösen», hält der SBV am Mittwoch fest.

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Quelle: schweizerbauer.ch