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Die Zweifel am Pächter verflogen rasch

  • Doris und Ruedi Hirsbrunner führen heute den Gutsbetrieb Ebenrain. – Lucas Huber

Der Gutsbetrieb Ebenrain in Sissach BL ist wohl der älteste Biobetrieb der Schweiz. Hier bauerte man schon biologisch, als die Knospe noch in weiter Ferne lag. Heute führen Doris und Ruedi Hirsbrunner den Betrieb.

1972 geschah in Sissach Wegweisendes. Als die biologische schaft noch nicht einmal in den Kinderschuhen steckte, stellte hier ein Hof auf Bio um – als Erster, label- und zertifizierungsfrei, denn nichts davon existierte. Dafür mit umso mehr Gegenwind.

Verrat am Bauernstand

Denn für die meisten e, schaftspolitiker und Forscher war das Ganze schlichte Provokation, ein Verrat am Bauernstand. Sie schimpften und zeterten und unterstellten den Sissachern gar, tagsüber zu frömmeln, um dann des Nachts heimlich zu spritzen.

Und nicht nur das: Dass ein Betrieb, der der Schulung angehender e diente, biologisch bewirtschaftet wird, gab es in ganz Europa nicht. Entsprechend früh wurden an der schaftlichen Schule in Sissach auch biologische Inhalte unterrichtet – auch wenn eine anerkannte Bio-Ausbildung noch in weiter Ferne lag.

Otto Buess stand hinter Bio-Umstellung

Ein Jahr später, 1973 genau, war Otto Buess, von 1960 bis 1984 Schulvorsteher am Ebenrain und treibende Kraft hinter dem biologischen Testballon in Sissach, massgeblich an der Gründung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau beteiligt, damals noch in Oberwil. Rund 50 Jahre später wird der Gutsbetrieb Ebenrain noch immer biologisch bewirtschaftet – von Doris und Ruedi Hirsbrunner.

Als sie den Betrieb 1999 übernahmen, hatten auch sie mit Gegenwind zu kämpfen, allerdings anderer Natur. Als Schulungsbetrieb ist das Hofgut Eigentum des Kantons Baselland, und als die Hirsbrunners 1999 auf den Plan traten, waren sie die ersten Pächter überhaupt. Davor war der Staatsbetrieb von Staatsangestellten geführt worden. Doch die Zweifel verflogen schnell.

Anschauungsbetrieb

Heute ist der Gutsbetrieb Ebenrain nicht nur Schulungsort, sondern auch Anschauungsobjekt für die Öffentlichkeit, ein Bindeglied zwischen Konsument und Produzent. Die schaftliche Breite von Rindviehhaltung, Schweinemast, Eierproduktion und Ackerbau ist quasi staatlich verordnet.

Wie die Aufgaben als Anschauungsbetrieb für die Schule ist auch die besagte Vielfalt an Betriebszweigen in einem Dienstleistungsvertrag geregelt. «Natürlich wäre unsere Infrastruktur zum Beispiel nur mit Milchkühen besser ausgelastet und effizienter», sagt Ruedi Hirsbrunner, «aber darum geht es hier nicht primär.»

Offenheit und Transparenz wird gelebt

Offenheit und Transparenz ist Programm auf dem Gutsbetrieb Ebenrain, täglich spazieren hier Besucher durch das Gelände. Während des Lockdowns, als die Zoos geschlossen waren, zählte Ruedi Hirsbrunner einmal über 50 Gäste gleichzeitig. Hinzu kommen regelmässig Führungen etwa von Schulklassen. «Wir sind eine Art Aufklärer, denn viele Menschen haben praktisch keine Ahnung von der schaft. Und das tun wir gern.»

War Bio vor 50 Jahren eine Provokation, so wundern sich einige Besucher heute, wie modern der älteste Biobetrieb der Schweiz heute ausschaut. Das sähe ja gar nicht nach Bio aus, hören die Hirsbrunners gelegentlich. Ruedi Hirsbrunners Antwort: «Man kann auch Bio machen, ohne dass man es aus 200 Metern sieht.»

Seit 50 Jahren werden auch die Milchkühe im Gutsbetrieb biologisch gehalten.
zvg

40 Hektaren

24 Hektaren umfasst der Gutsbetrieb Ebenrain, 16 weitere Hektaren haben die Hirsbrunners dazugepachtet – Brotgetreide, Silomais, Kartoffeln, ein Blumenfeld zum Selberernten, schliesslich Natur- und Kunstwiese, ausserdem fünf Hektaren Ökoausgleichsflächen. Die Milch kommt von 35 Kühen, die Eier von 200 Legehennen, in der Mast sind 40 Schweine und zehn Ochsen, dazu kommen zehn Kälber. Die Rinder sind im Aufzuchtvertrag.

Ein kleiner Zweig ist auch der Direktverkauf, vor allem Kartoffeln, Eier und Milch sind beliebt, ausserdem beliefert der Betrieb die Schulkantine. Junior Thomas Hirsbrunner, ausgebildeter Landmaschinenmechaniker und , ist gerade an der Betriebsleiterschule. Er arbeitet ebenfalls im Betrieb. Daneben bildet die Familie derzeit einen Lehrling aus. Natürlich biologisch.

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Quelle: schweizerbauer.ch