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Die Künstlerin von der Schafalp

  • Deborah Kressebuch findet Inspiration bei den Schwarznasenschafen auf der Riffelalp.  – Christian Zufferey
  • Christian Zufferey

Es ist nicht das Matterhorn, das Deborah Kressebuch als Schafhirtin in den Zermatter Bergen inspiriert, sondern der Wolf und ihr Mitgefühl mit den Schäfern, die bei jedem Riss einen Teil ihrer Existenz verlieren.

«Es war für mich wie ein Geschenk, als ich aus Zermatt angefragt wurde, als Hirtin auf der Schafalp am Riffelberg tätig zu sein», erzählt Deborah Kressebuch. Es war ihre touristische Erfahrung, vor allem aber ihr Sprachtalent, das zwei Schäfer von Zermatt, die eng mit der Gornergrat-Bahn zusammenarbeiten, auf sie aufmerksam werden liess.

Vorteil Mehrsprachigkeit

Es ist durchaus von Vorteil, wenn sich die Alphirtin mit den vielen Touristen unterhalten kann, die mit der Zahnradbahn von Zermatt zum Gornergrat hochfahren. So spricht Kressebuch nebst ihrer Muttersprache Deutsch auch französisch, englisch, italienisch, spanisch, ja sogar bruchstückhaft russisch und arabisch. «Es ist bereichernd, mit Menschen aus allen möglichen Ländern ins Gespräch zu kommen und ihnen von den Walliser Schwarznasenschafen zu erzählen», meint Kressebuch. Für Touristen, die meist vor allem deswegen nach Zermatt reisen, um einmal im Leben das Matterhorn zu sehen, ist es hingegen bereichernd, wenn sie davor die Schafe sehen, die ein wichtiger Teil der einheimischen Kultur sind.

GPS-Halsbänder

Auch die Schafe sind sich die vielen Leute gewohnt. «Sie lassen sich anfassen, streicheln und knuddeln, während sie unbeirrt fortfahren zu fressen», beobachtet Kressebuch. Sogar um die Mittagszeit lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn Schwarznasenschafe instinktiv Schutz suchen hinter schattenspendenden Felsen oder hinter einer Kapelle. Acht der insgesamt 115 Schafe, die Kressebuch betreut, tragen sogar ein Halsband mit einem GPS-Sender. Eigentlich wurde der Sender, der Alptracker, vor allem für Älpler und Schäfer entwickelt, damit sie jederzeit wissen, wo sich ihre Tiere aufhalten. Die Gornergrat-Bahn hat nun ihrerseits eine entwickelt, mit deren Hilfe auch Touristen die Schafe aufspüren und finden können mit demselben GPS-Signal vom Halsband. Schwarznasenschafe gelten zwar grundsätzlich als standorttreu, doch auch sie ziehen dem Futter hinterher, auf Höhen von bis zu 3000 Metern über Meer. Doch weil sich die Schafe nie weit von bequem begehbaren Wanderwegen aufhalten, sind sie leicht auffindbar. Sogar für Touristen, die mit dem Zug hochfahren und kein bergtaugliches Schuhwerk tragen.

Nachtpferch

Kressebuchs Rhythmus wird trotzdem mehr von den Schafen als von den Touristen bestimmt. Aus Furcht vor dem Wolf (er hat auf ihrer Alp zwar noch keine Schäden angerichtet) muss sie am späteren Nachmittag alle Schafe ihrer Herde suchen, um sie in einen Nachtpferch zu holen. «Damit die Schwarznasenschafe trotzdem genug fressen, weil sie vor allem abends intensiv weiden, kehre ich mit ihnen sehr langsam zurück, mit dem Ziel, erst kurz vor der Dämmerung beim Nachtpferch einzutreffen», erzählt sie. Und dies ohne die Hilfe eines Hundes, denn am Riffelberg gibt es weder einen - noch einen Hütehund. «Es sind die vielen Touristen, die hier praktisch betreiben», meint Kressebuch. Am nächsten Morgen treibt sie die Schafe wieder zum Pferch hinaus. Weil dabei ihre ganze Herde die Gleise der Gornergrat-Bahn überqueren muss, geschieht das noch bevor der erste Zug hochfährt.

Erfahrene Alphirtin

Es ist nicht das erste Mal, dass Kressebuch den Sommer auf Alpen verbringt, aber das erste Mal, dass sie dazu ins Wallis gekommen ist. «In meiner Jugend pflegte ich intensiven Kontakt zu einem Bergbauernhof in Graubünden», erzählt sie. Sie lernte da die Grundlagen der Land- und Alpwirtschaft sowie der . Seit ihrer Kindheit verbrachte sie immer wieder Wochen und Monate auf Bauernhöfen und Alpen in Graubünden, im Berner Seeland und im Tessin. Letztes Jahr bekam sie auf einer Ziegenalp in Graubünden sogar Besuch von TV-Frau Mona Vetsch. Doch diese steile und nicht ungefährliche Alp mit den über 360 Milchziegen empfand sie als ausserordentlich streng. Jetzt, in Zermatt, mit Blick auf den meistfotografierten Berg der Welt, findet sie sogar etwas Zeit für ihre Kunst. Sie zeichnet und skizziert, während sie auf ihre Herde achtgibt, und sie sammelt auch farbige Steine, aus denen sie ihre eigenen Pigmente mahlt und daraus Farben macht, wenn auch erst zu Hause in Rohrbach BE in ihrem Atelier.

Ab nächstem Juli will sie die Bilder, die diesen Sommer auf der Schafalp oberhalb Zermatt entstehen, bei einer Ausstellung in der Sala Segantini in Savognin GR zeigen. Überzeugt davon, dass sie für die Vernissage bestimmt einen Tag frei bekommen wird. Sie wolle zwar noch nichts versprechen, sagt sie, ergänzt aber: «Ich könnte mir durchaus vorstellen, im nächsten Sommer nach Zermatt zurückzukehren.»

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Quelle: schweizerbauer.ch