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«Bei einem Ja produziere ich ohne Direktzahlungen»

  • Beat Bösiger ist Inhaber der Bösiger Gemüsekulturen AG. Er sagt, der Biolandbau hätte noch die grösseren Probleme mit der Umsetzung der Agrarinitiativen – zvg

Für Gemüsebauern machen die gerade mal ein bis zwei Prozent vom Gesamterlös aus. Deshalb würde auch Beat Bösiger aus Niederbipp BE eher auf als auf Pflanzenschutzmittel verzichten.

«Schweizer Bauer»: Wieso engagieren Sie sich als Gemüseproduzent gegen die Agrarinitiativen?
Beat Bösiger: Sie sind radikal, gefährlich und kontraproduktiv. Speziell im Gemüsebau haben wir Kundenanforderungen an unsere Produkte. Auf der einen Seite von den Grossverteilern und vom Handel, auf der anderen Seite von den Endkonsumenten. Wenn man schaut, wie die Kunden in den Läden ihr Gemüse auswählen, dann nehmen sie nie den obersten Salat oder die erste Gurke. Es wird alles angefasst, um zu schauen, ob es noch etwas Besseres und Schöneres gibt. Da mag es keine Laus oder keine Raupe leiden. Wenn ein Schädling oder Fäulnis in der Ware ist, wird sie retourniert. Ohne Pflanzenschutz bringen wir die Qualität nicht hin. Stimmt die Qualität nicht, stimmen auch die Erträge auf den Feldern nicht. Somit wäre die Wirtschaftlichkeit unserer Betriebe nicht mehr gegeben.

Betrifft die Problematik alle Gemüsesorten?
Hier muss man sicher unterscheiden. Ein typisches Produkt, das man in der Schweiz fast nicht mehr produzieren kann, ist der Rosenkohl. Dieser ist unter anderem sehr anfällig auf die Weisse Fliege. Da wurden in den letzten Jahren so viele Insektizide gestrichen, da diese als gefährlich erachtet worden sind. Mit den noch erlaubten Pflanzenschutzmitteln ist die Produktion von marktfähigem Rosenkohl fast unmöglich. Jetzt wird einfach mehr importiert, weil wir die benötigten Mengen nicht mehr liefern können. Aber: Auf dem Import-Rosenkohl sind die bei uns verbotenen Insektizide drauf. Da wird der Schweizer Produzent schon heute benachteiligt.

Biobetriebe stellen aber auch qualitativ hochstehende Produkte her.
Mein Sohn führt einen Biobetrieb. In der Vermarktung sind die Qualitätsanforderungen dieselben wie im konventionellen Anbau. Die Initiativen wären im Biolandbau sogar ein noch grösseres Problem. Da gibt es jetzt schon sehr wenige Möglichkeiten. Auf der Hilfsstoffliste von Bio Suisse sind mehrere synthetische Pflanzenschutzmittel zugelassen, die nachher nicht mehr erlaubt wären. Hätte sich das regnerische Wetter von Mai noch zwei Wochen hingezogen, hätten wir richtige Probleme bekommen. Gerade bei den Kartoffeln mit der Krautfäule. Wenn man diese im Mai nicht bekämpfen kann, haben wir später keine . Früher gab es in Irland Hungersnöte, weil man die Krautfäule nicht bekämpfen konnte. Da wären wir wieder gleich weit.

Gibt es auch Kulturen, für die ein Pestizidverbot kein Problem darstellen würde?
Es gibt Kulturen, wie Zucchetti oder Nüsslisalat, die praktisch ohne Pflanzenschutzmittel auskommen. Aber wir können natürlich nicht nur auf diese Kulturen setzen.

Die Trinkwasser-Initiative (TWI) setzt bei den an. Wie hoch ist deren Anteil am Gesamterlös in Ihrem Betrieb?
Bei uns ist der Anteil unter einem Prozent. Weil es für die ganze Gewächshausfläche keine gibt, liegen wir damit noch unter dem Branchendurchschnitt. Deshalb steht für uns bei einer Annahme der TWI fest: Wir würden aus dem Direktzahlungssystem aussteigen. Genauso wie wohl die meisten Betriebe mit Spezialkulturen wie Gemüse, Obst, Wein oder Kartoffeln.

Wieso kämpfen Sie denn überhaupt gegen die TWI, wenn Sie ganz einfach auf die verzichten könnten?
Das muss man natürlich ganzheitlich anschauen und nicht nur auf den eigenen Betrieb herunterbrechen. Wenn die TWI angenommen würde, wissen wir nicht, was unsere Kunden, respektive die Grossverteiler, von uns verlangen würden. Verlangen sie trotzdem noch die Einhaltung des ökologischen Leistungsnachweises? Das könnte durchaus sein. Stand heute kann uns das aber noch niemand sagen. Darum müssen wir jetzt einfach beide Agrarinitiativen ablehnen und dann das Pestizidgesetz umsetzen. Mit diesem kommen wir weiter.

Zur Person

Beat Bösiger führt den Gemüsebaubetrieb Bösiger Gemüsekulturen AG in Niederbipp BE. Der Betrieb umfasst 12 Hektaren Gewächshäuser und 140 Hektaren Anbau im Freiland. Je nach Saison beschäftigt der 51-Jährige zwischen 80 und 200 Mitarbeiter. rup

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Quelle: schweizerbauer.ch