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«Agrar-Initiativen gefährden regionale Landwirtschaft»

  • Florian (v.l.), Erika und Walter Gasser vor dem Böschenhof in Au. Die Erdbeer- und Gemüseproduzenten wollen weiterhin qualitativ hochstehende Lebensmittel zu konkurrenzfähigen Preisen produzieren. – Ralph Dietsche
  • Florian Gasser auf dem frisch bepflanzten Feld in Au SG. Hier soll der einheimische Salat wachsen. – Ralph Dietsche

Die Annahme der beiden Agrarinitiativen hätte für die Schweizer Gemüseproduzenten gravierende Folgen. Denn diese rechnen mit ausfällen von über 25 Prozent und zusätzlichen Kosten. Folglich würde das einheimische Gemüse zu einem Luxusgut verkommen, befürchten die Produzenten.

Erika und Walter Gasser führen den Böschenhof in Au SG in dritter Generation. Sie beschäftigen je nach Saison zwischen fünf und 100 Personen. Produziert werden Erdbeeren, Salate, Blumenkohl, Spinat, Zucchetti, Randen, gelbe Räben, Karotten, Kürbisse, Ribelmais, Dinkel und Schnittblumen.

Kundschaft erwartet einwandfreie Produkte

Von Beginn weg konzentrierte sich die Familie Gasser auf den Ackerbau. Einen Teil der Produkte vermarktet sie direkt über den Hofladen oder den Selbstbedienungs-Kühlschrank vor Ort. Dieser Absatzkanal gewinnt von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Der Grossteil des Gemüses wird über den Detailhandel verkauft.

«Die Kundschaft erwartet optisch einwandfreie, lagerfähige und frische Produkte aus der Region zu möglichst günstigen Preisen», weiss Walter Gasser. Diese Anforderungen vermag der Erdbeer- und Gemüseproduzent bis heute zu erfüllen. Unter anderem dank dem gezielten und punktuellen Einsatz von Pflanzenschutzmittel. Die beiden Agrar-Initiativen bereiten ihm deshalb Bauchschmerzen: «Sie gefährden die regionale, einheimische Produktion und verteuern die Lebensmittel massiv.»

Bei Schädlingsbefahl droht Totalausfall

Aus der Sicht von Walter Gasser ist eine weitere Verschärfung der Vorschriften unnötig. «Es ist in unserem Interesse möglichst wenig Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Allein schon aus Kostengründen. Allerdings ist dies nicht immer möglich. Werden bei einem Kontrollgang Schädlinge oder ein Pilzbefall festgestellt, müssen wir handeln, um nicht die ganze zu verlieren. Dies wäre künftig nicht mehr möglich», erklärt Walter Gasser.

Heute zählt der Rheintaler Gemüseproduzent auf das Fachwissen von verschiedenen, spezialisierten Beratern. Unter anderem vom lichen Zentrum in Salez. Diese unterstützen sämtliche Landwirte in der Region und begehen jede Woche die Felder. Dadurch erkennen die externen Fachpersonen frühzeitig allfällige Gefahren und können entsprechende Massnahmen empfehlen. «Heute erfolgt das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln viel dosierter als noch vor ein paar Jahren», versichert Walter Gasser.

Pflanzenschutz macht grosse Fortschritte

Hinzu komme, dass die Forschung und Entwicklung auch beim Pflanzenschutz enorme Fortschritte mache: «Heute können Blattläuse bekämpft werden, ohne dass beispielsweise Marienkäfer darunter leiden.» Hinzu kommt, dass 20 Prozent der Betriebsfläche als Biodiversitätsförderflächen bewirtschaftet werden. Dies ist fast das Dreifache der verlangten 7 Prozent

Die zu bewirtschaftenden Felder der Familie Gasser befinden sich direkt an der Autobahn A13 sowie in Dorfnähe im Erholungsgebiet: «Wir stehen dadurch unter ständiger Beobachtung unserer Kundinnen und Kunden», sagt Gasser. Dies hat den Vorteil, dass ab und zu ein Austausch stattfindet: «Im ländlichen Raum steht ein grosser Teil der Bevölkerung hinter der . In städtischen Gegenden sieht es anders aus. Dort fehlt der Bezug zur

Der Gemüseproduzent Walter Gasser kontrolliert den Wuchs des Spinats auf seinem Feld in Au SG
Ralph Dietsche

Folgen für Betrieb sind noch unklar

Dennoch sollten sich auch jene Konsumentinnen und Konsumenten bewusst sein, dass die Annahme der beiden Agrar-Initiativen für sie direkte Auswirkungen hätten. Nebst der Erhöhung der Preise für einheimische Lebensmittel würden auch Arbeitsplätze in der gesamten Wertschöpfungskette gefährdet sowie die Umweltbilanz verschlechtert. Denn wenn in der Schweiz weniger Lebensmittel produziert werden, müssen diese vom Ausland importiert werden.

Ob es unter verschärften Bedingungen noch rentabel ist, im grossen Stil Gemüse und Erdbeeren in der Schweiz anzupflanzen, kann heute noch nicht abschliessend beurteilt werden. Die Produktionsmengen werden aber mit Sicherheit sinken. «Die Kunden müssten bereit sein, einen deutlich höheren Preis zu bezahlen. Dieser müsste die ausfälle und die Zusatzleistungen decken. Zudem dürften an die optische Qualität sowie die Lagerfähigkeit des frischen Gemüses nicht mehr dieselben Ansprüche gestellt werden», gibt Walter Gasser zu bedenken.

Ausland würde profitieren

Aus seiner Sicht ist es naheliegend, dass Grossverteiler bei einer Annahme der Initiativen auf billige, ausländische Produkte ausweichen und Konsumenten zum Einkaufstourismus animiert werden. «Ich glaube jedoch, dass dies nicht das Ziel der Initianten ist», hofft Walter Gasser.

Sollte die Kundschaft künftig tatsächlich ausbleiben, gäbe es für seinen Betrieb nur eine Alternative: «Wir müssten unsere Produktion einstellen und auf die Biodiversität setzen, um die entsprechenden Unterstützungsbeiträge beim Bund abzuholen. So würden wir keine Risiken eingehen und wüssten anfangs Jahr mit was für Einnahmen wir rechnen können. Die Landschaftspflege könnte ich wohl alleine erledigen.»

Soweit soll es nicht kommen: «Dies würde mich nicht erfüllen.» Deshalb hofft Walter Gasser auf die Vernunft der Bevölkerung: «Wenn wir jetzt die Produktion der lichen Erzeugnisse runterfahren, sinkt die Versorgungssicherheit und wertvolles Wissen geht verloren. Dieses kann man sich im Krisenfall nicht einfach wieder auf die Schnelle aneignen.» Die weitreichenden Folgen müssen einem beim Ausfüllen der Abstimmungsunterlagen bewusst sein.

Zwei Volksinitiativen

Die Pestizidverbots-Initiative fordert ein Verbot synthetischer Pflanzenschutzmittel in der lichen Produktion, in der Verarbeitung licher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege. Verboten werden soll auch der Import von Lebensmitteln, die mit synthetischen Pflanzenschutzmittel hergestellt wurden oder die solche enthalten.

Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass nur noch Bauern erhalten, die auf Pflanzenschutzmittel, vorbeugend oder systematisch verabreichte und zugekauftes Futter verzichten. Auch die liche Forschung, Beratung und Ausbildung soll nur unter diesen Bedingungen Geld vom Bund erhalten.

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Quelle: schweizerbauer.ch