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Südafrika/Avocados: Wo Licht ist, ist der Schatten nicht weit

Erzeuger in Limpopo und Mpumalanga könnten über die boomende Nachfrage an Avocados eigentlich nicht zufriedener sein. Allerdings hat sich in den vergangenen vier Jahren ein massives Problem entwickelt: die Avocado-Wilderei. Carte Blanche, ein investigatives TV-Format in Südafrika, hat recherchiert, dass 2018 rund 1.500 t Avocados im Wert von umgerechnet rund 1,4 Mio Euro gestohlen wurden. Tendenz steigend.

Wie Nelius Human, der nahe Tzaneen über Plantagen verfügt, erklärt, dass die Diebstähle zum großen Teil auf den massiven Anstieg der lokalen Preise für Avocados zurückzuführen sind. Allein auf seiner Plantage liegen die jährlichen Verluste bei umgerechnet bis zu 34.900 Euro. Sogar vor neu gepflanzten kleinen Bäumen machen die Diebe nicht halt. Bis zu 30 t pro Überfall können erbeutet werden. Um sich zu schützen, haben die Erzeuger in Elektrozäune investiert. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg, denn viele kriminelle Banden graben sich unter den Zäunen durch. Weil die Diebe auch vor Waffengewalt nicht zurückschrecken, sahen sich die Produzenten zudem gezwungen, private Sicherheitsunternehmen inklusive Spürhunden zu engagieren. Da die Avocados brutal vom Baum gerissen werden, entsteht an deren Spitze ein Loch. Sie werden häufig an Verkaufsständen am Straßenrand an ahnungslose Touristen verkauft. Während die Avocados im bis zu 10 Euro/kg einbringen können – hauptsächlich auf dem europäischen Markt – erzielen die gestohlenen umgerechnet nur rund 1,74 Euro/kg. Da viele Plantagen in ländlichen Gebieten liegen, die Polizei nicht über die nötigen Ressourcen verfügt und die Avocado-Wilderei im Vergleich zu anderen Verbrechen als nicht schwerwiegend genug erachtet, wird nur wenig getan, um den Kriminellen Einhalt zu gebieten. Für die Erzeuger sind die Folgen jedoch dramatisch: Die finanziellen Verluste und die Sorge um ihre Sicherheit macht es ihnen teilweise unmöglich, zu investieren. Außerdem sind tausende Arbeitsplätze bedroht, weil der Anteil der Sicherheitskräfte so hoch ist – teilweise machen sie bis zu 20 % der Mitarbeiter aus. Louise Brodie

Foto: eyewave/AdobeStock

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