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Post von der eigenen Ziege

  • Die Postkarten mit Infos zu den gesponserten Ziegen schreibt Alphirtin Martina Haller mit ihrem Handy und dem Postcard-Creator der Post. – Christian Zuffery

Um finanziell über die Runden zu kommen, hat sich Ziegenhirtin Martina Haller etwas einfallen lassen. Klar war: Sie wollte nicht um Geld betteln. Nun lädt sie Gäste in den Ziegen und verschickt von ihren Geissen Post.

Seit Mitte Juni sind die Ziegen wieder auf der Alp Steessiboden oberhalb von Grindelwald BE. Betreut werden sie von Martina Haller, die ihren sechsten Alpsommer dort verbringt. Ihr Lebenspartner Ivo Paroni unterstützt.

Die meisten der 64 Ziegen, die dieses Jahr den Sommer auf der Alp verbringen, sind Gämsfarbige Gebirgsziegen. Die wenigen Saanen-, Toggenburger- und Mischlingsziegen geniessen daher eine erhöhte Aufmerksamkeit.

Finanzielle Nöte

«Unser Senntum ist Teil der Alp Holzmatten, der kleinsten der sieben Bergschaften von Grindelwald. Auf 2100 Metern über Meer gelegen ist es auch das mit dem höchsten Läger und den höchstgelegenen Weiden», erklärt John Meyer. Er ist einer von acht Ziegenzüchtern, die ihre Geissen auf dem Steessiboden sömmern. «Unsere grösste Herausforderung ist, dass sich die Alp abseits der grossen Touristenströme befindet, ohne eine Bahn und ohne ein Bergrestaurant. Damit fehlen uns die touristischen Einnahmequellen», sagt Meyer.

Um die Hirtenunterkünfte modernisieren zu können, war man daher auf Spendengelder angewiesen. Doch damit waren die finanziellen Schwierigkeiten, mit denen die Ziegenzüchter auf dem Steessiboden zu kämpfen haben, nicht gelöst. «Wir haben häufig darüber diskutiert, wie wir unsere finanzielle Situation verbessern und auch den Hirten etwas mehr Lohn zahlen könnten, weil wir uns bewusst sind, dass sie für sehr wenig Geld einen Sommer lang unsere Ziegen hüten», sagt Meyer.

Emotionen verkaufen

Für Ziegenhirtin Martina Haller war jedoch klar: «Wir wollen nicht um Geld betteln, sondern uns etwas einfallen lassen, das für die Leute cool ist.» Eine Lösung wurde in Zusammenarbeit mit Grindelwald Tourismus gefunden. Das Tourismusbüro organisiert jeweils am Montag einen Ausflug auf die Alp. Dabei dürfen Touristen mit dem Bus, der Richtung Bussalp fährt, bis zum Holzmattenläger fahren, wo sie abgeholt werden.

Einen Nachmittag lang dürfen die Gäste beim Ziegenhüten dabei sein, einen Blick in die Käserei werfen und beim Melken zuschauen. Der Melkstand befindet sich im , wo die Ziegen über Nacht bleiben. «Manche werden bei ihrem Besuch sicher auch Käse kaufen», hofft Haller. «Wir haben die Idee letztes Jahr schon an Freunden ausprobiert und als machbar eingeschätzt», ergänzt sie. Ein weiteres Projekt ist das Ziegen-Sponsoring.

Die meisten der 64 Ziegen, die dieses Jahr den Sommer auf der Alp verbringen, sind Gämsfarbige Gebirgsziegen.
Christian Zuffery

Geissensponsoring

Ein Geissensponsoring kostet 150 Franken. Dabei wird dem Sponsor eine Ziege zugeteilt, von der er einen Sommer lang regelmässig erfährt, was sie gerade treibt. Weil sich die etwas anderen Ziegen von den Gämsfarbigen Gebirgsziegen leichter unterscheiden und wiedererkennen lassen, stiessen diese bei den Sponsoren auf besonderes Interesse.

«Die Sponsoren bekamen zunächst ein Sponsorenzertifikat und kurz vor der Alpfahrt eine erste E-Mail mit einem Bild und allen Informationen zu ihrer Ziege. Damit wissen sie, dass es jetzt losgeht», erklärt Haller. Während des Alpsommers sollen ein bis zwei Postkarten folgen.

Viel schreiben

Dem Sponsor der Ziege namens Arve würde sie etwa schreiben, wie ruhig Arve stehen geblieben sei und auf eine Reaktion des ihr vertrauten Hirten gewartet habe, während die anderen Ziegen erschrocken durch einen gerade vorbeifliegenden Super-Puma-Helikopter weit weg geflüchtet seien. Schreiben will Haller die Postkarten mit dem Postcard-Creator der Schweizerischen Post – einem Portal, auf dem sich eine Postkarte digital mit eigenem Bild und Text gestalten lässt, dann aber als fertige Karte ausgedruckt zugestellt wird.

«Wir setzen bewusst nicht nur auf elektronische Post», sagt Haller, «die Sponsoren sollen etwas in den Händen haben, um es vielleicht am Kühlschrank befestigen zu können.» Haller ist sich bewusst, dass sie bei bis zu vier Postkarten und E-Mails pro Ziege viel schreiben muss. «Es muss daher leicht von der Hand gehen, damit es auch mal so nebenbei gemacht werden kann», sagt die Ziegenhirtin.

Sie ist sich aber sicher, dass ihre bereits mehrjährige Erfahrung dazu beitragen wird, dass die Idee funktionieren kann –  sie kennt die Alp und ist mit den Arbeitsabläufen gut vertraut. 

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Quelle: schweizerbauer.ch