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Lebensmittel-Umsatz über Vorkrisenniveau

  • Die Umsätze werden 2022 aber immer noch deutlich über dem Wert von 2019 zu liegen kommen.  – Michael Gaida

Nach dem Rekord im vergangenen Jahr dürft der Schweizer Detailhandel im neuen Jahr wieder schrumpfen. Eine Branchenstudie der Credit Suisse rechnet für 2022 mit einem Rückgang des nominalen Umsatzes um 4,1 Prozent.

Dabei sei der handel stärker betroffen als der Nicht-handel. Der Umsatz mit Nahrungsmitteln und verwandten Produkten (im Branchenjargon Food- und Near-Food genannt) werde um 5,5 Prozent sinken, schrieb die CS in ihrer Studie, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Im Nicht-handel dürfte der Umsatz um 2,8 Prozent zurückgehen.

Pandemiebedingte Effekte fehlen

Ausserdem war die Grenze zu Deutschland nach der Schliessung Ende 2020 für Einkaufstouristen erst wieder ab Mitte Mai geöffnet. Auch in den restlichen Nachbarländern war der Einkaufstourismus einige Monate lang eingeschränkt.

handel über Vorkrisenniveau

Zwar dürfte die Anzahl der Beschäftigten, die mindestens ein bis zwei Tage pro Woche aus dem Homeoffice arbeiten, über dem Vorkrisenniveau verbleiben. «Zudem gehen wir nicht davon aus, dass das eigenständige Kochen zu Hause stark an Beliebtheit verlieren wird», schrieb die CS.

«Doch eine Entwicklung wie im Jahr 2021 ist nicht mehr zu erwarten. Entsprechend rechnen wir im Food-Bereich mit einem Rückgang der nominalen Detailhandelsumsätze von rund 5,5 Prozent.» Dies sei aber immer noch ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019.

Detailhandel profitiert von Krise

Weniger stark werde der Umsatzrückgang im Non-Food-Bereich mit einem Minus von 2,8 Prozent ausfallen, schätzt die CS. Je nach Segment sei die Entwicklung aber unterschiedlich.

«Freizeit, Haushalt und Wohnen, Do-it-yourself-, Garten- und Autozubehör sowie Heimelektronik haben stark von der Krise profitiert, was nicht zuletzt dem Verkauf von langlebigen Gütern wie Fahrrädern, Langlaufskis, Möbel, Computern oder Werkzeugen für den Haushalt und den Garten zu verdanken war. Bei diesen Gütern wird im Jahr 2022 wohl ein gewisser Sättigungseffekt zu beobachten sein, der die Nachfrage verringern wird», schrieb die CS.

Im Bekleidungssegment hingegen erwarte man eine positive Entwicklung im Vergleich zum ausgeprägten Rückgang des vergangenen Jahres. Dennoch: Über den ganzen Schweizer Detailhandel hinweg würden die nominalen Umsätze um 4,1 fallen, schätzt die CS: «Damit läge er immer noch um fast 3 Prozent über dem Niveau von 2019, was ihn wiederum als Profiteur der Coronakrise bestätigt.»

Erstmals über 100 Milliarden Umsatz

2020 hatte der Schweizer Detailhandel laut Schätzungen der GfK gesamthaft einen Umsatz von 99,1 Milliarden Franken eingefahren. Hamsterkäufe hatten die Kassen klingeln lassen.

Und im vergangenen Jahr hätten die Detailhandelsumsätze nochmals um 2,4 Prozent zugelegt, sagte CS-Ökonomin Tiziana Hunziker in einem Interview mit AWP Video. «Insgesamt sind sie zum ersten Mal über die 100 Milliarden-Grenze geklettert.» Das sei ein Rekord.

Kein Einbruch erwartet

Mit einem Einbruch wegen der derzeit hochschiessenden Coronawelle rechnet Hunziker nicht: Ein erneuter Lockdown hätte sicher negative Auswirkungen auf den Non-Foodhandel. Dort müssten viele Geschäfte wohl schliessen. «Die Erfahrung aus den letzten Jahren hat aber gezeigt, dass auf einen Lockdown ein Nachholkonsum folgt, der mindestens einen Teil des Einbruchs wieder wettmacht.»

Zudem befürchtet sie auch keine grossen Störungen durch den Ausfall von krankem oder in Quarantäne sitzendem Personal: Die Schutzkonzepte im Detailhandel würden respektiert und der Kontakt zu den Kunden könne gut mit Maske und Abstand stattfinden, sagte Hunziker. Deshalb sei das Risiko im Vergleich zu anderen Branchen tiefer.

Ausserdem habe die Temporärbranche während der Coronakrise aufgerüstet. Mögliche Ausfälle im Detailhandel könnten gut mit temporären Arbeitskräften aufgefangen werden. In dieser Hinsicht sei der Detailhandel flexibel, sagte Hunziker. Das werde bereits jetzt schon praktiziert im Weihnachtsgeschäft, wenn viele Temporärmitarbeiter eingestellt würden, um den Ansturm zu bewältigen.

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Quelle: schweizerbauer.ch