Anzeige
 

Die erste Simmentalerkuh im Engadin

  • Arno und Tatiana Gabriel halten ihre Simmentaler Mutterkühe in einem Lauf am Rand des erischen Nationalsparks, im Hintergrund der Kartoffelacker. – Christian Zufferey
  • Tatiana Gabriel beim Füttern ihrer Simmentaler Mutterkühe – Christian Zufferey

Arno und Tatiana Gabriel haben als erste Engadiner Bauern von auf Simmentaler umgestellt, deren Kälber sie als Natura Beef oder Natural Veal vermarkten. Seit drei Jahren bauen sie Kartoffeln für Fünf-Sterne-Hotels an.

Gleich neben dem Bahnhof des Engadiner Dorfs S-chanf besass Arno Gabriels Vater einst einen , er führte einen kleinen Bergbauernhof im Nebenerwerb mit acht braunen Kühen, deren er an Aufzuchtkälber vertränkte.

Umgängliche Simmentaler

Weil der zu klein war, um davon zu leben, liess sich Arno Gabriel zum Maschinenmechaniker ausbilden – bis ihm schliesslich die Möglichkeit geboten wurde, den Bauernhof seines Grossonkels zu pachten. Als sich sein Vater pensionieren liess, hat er die beiden e zusammengeführt und 2009 ausserhalb dem Dorf einen neuen gebaut. Gabriel setzte von Anfang an auf Mutterkuhhaltung.

«Eines Tages, per Zufall», wie Ehefrau Tatiana Gabriel sich erinnert, «haben wir von einem Händler eine Simmentalerkuh bekommen.» Sie hiess Margherita, weiss sie noch genau. «Sie war eine so ruhige und umgängliche Kuh, man hätte beinahe auf ihr reiten können», erzählt Tatiana Gabriel. Da haben sich die beiden für die Simmentalerrasse zu interessieren begonnen.

Mehrere Bauern umgestiegen

«Irgendwann wurden wir nach Bern eingeladen, um die Rasse näher kennenzulernen, wo wir uns dann gleich einen Stier gekauft haben», fährt Arno Gabriel fort. Es war ein genetisch hornloser Stier, mit dessen Hilfe er seinen sukzessive auf hornlose Simmentalerkühe umzustellen begann.

Anfangs war er der einzige Bauer im Engadin, der Simmentalerkühe besass, inzwischen hätten aber auch andere junge Bauern auf Simmentaler umgestellt, weil es einfach gemütlichere Tiere sind als die temperamentvollen Angus oder Limousin, auf die man in Engadiner Mutterkuhherden häufig trifft. Sie traten ausserdem dem Rassenverband Simmental Suisse bei, für den Arno Gabriel ab 2014 vier Jahre lang im Vorstand tätig war.

Arno und Tatiana Gabriel halten ihre Simmentaler Mutterkühe in einem Lauf ausserhalb dem Oberengadiner Dorf S-chanf.
Christian Zufferey

Dies, obschon die lange Reise vom Engadin nach Witzwil im Berner Seeland, wo die Sitzungen jeweils stattgefunden haben, für ihn einen grossen Aufwand bedeuteten. Die meisten Kälber vermarktet er als Natura Beef und Natura Veal über Vianco, etwa ein Viertel direkt an Privatpersonen, aber nur wenig über die zahlreichen Hotels.

Hochalpine Kartoffeln

Ganz anders die Kartoffeln, die er vor drei Jahren versuchsweise anzubauen begonnen hat. Nachdem das romanische Fernsehen darüber berichtet hatte, wurden auch die grossen Fünf-Sterne-Hotels vom Oberengadin darauf aufmerksam. «So bauen wir heute auf einer Fläche von etwa einer Hektar Kartoffeln gemäss ihren Wünschen an», erklärt Gabriel.

Nebst der Sorte Agria, die sich für so ziemlich alles verwenden lässt, sät er auch die «Blauen St. Galler», von denen man blauen Kartoffelstock bekommt, und die alte französische Sorte «La Ratte» Letztere sind klein, schmecken nussig und eignen sich etwa für Raclette, kosten aber deutlich mehr als die anderen Sorten, die Gabriels verkaufen.

Spitzengastronomie sucht nach Speziellem

«In der Spitzengastronomie ist man stets auf der Suche nach dem Speziellen, weshalb die Küchenchefs auch bereit sind, das Doppelte oder mehr zu zahlen, als wenn sie die Kartoffeln bei Grosshändlern kaufen würden», meint Gabriel.

Zu Marktpreisen Kartoffeln zu produzieren, wäre im Oberengadin auch gar nicht möglich, betont Gabriel. Zumal grosse Investitionen nötig waren, etwa den Bau einer Lagerhalle. Vor allem aber ist die Vegetationsperiode auf knapp 1700 Meter über Meer kurz und das Risiko vergleichsweise gross.

Arno Gabriel produziert Kartoffeln nach den Wünschen von Oberengadiner Fünf-Sterne-Hotels.
Christian Zufferey

«Auf 100 Tage kommen wir hier oben knapp», gibt Gabriel zu, kann er doch frühestens Mitte Mai oder gar Anfang Juni aussäen. «Vor 20 Jahren wäre das noch völlig undenkbar gewesen, weil es jeden Monat mal geschneit hat.» Für ihn ein Zeichen dafür, dass sich das Klima verändert – was aber auch zu einem Umdenken bei den Konsumenten geführt hat, die heute mehr denn je auf regionale Produktion achten.

The post Die erste Simmentalerkuh im Engadin appeared first on er Bauer.

ganzen Artikel lesen ▸

Quelle: erbauer.ch