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«Abalpung ist für mich ein Albtraum»

  • «Die Alp wird ohne Schafe einwachsen, ungenutzt und brach daliegen», mahnt Thomas Roffler. – Doris Bigler

Thomas Roffler ist Präsident des Bündner Bauernverbands, er gibt einen Überblick über die aktuelle Wolfsituation im Kanton Graubünden.

In den vergangenen Tagen und Wochen kam es im Kanton Graubünden zu mehreren Rissen. Auf der Alp Pardenn bei Klosters GR werden 700 Schafe abgealpt. Dies ist im Kanton Graubünden in dieser Grössenordnung eine Premiere.

«er Bauer»: In der Region Klosters wurden 700 Schafe von einer Alp geholt, können Sie uns Näheres dazu sagen?
Thomas Roffler: Die Abalpung ist aufgrund der Wolfsübergriffe auf die Schafherde entstanden. Dabei wurden letztlich 16 Tiere getötet – 10 durch den Wolf, und 6 mussten notgetötet werden. Das grausame Szenario so kurz nach dem Bestossen der Alp hat gemäss der Einschätzung der Alpverantwortlichen dazu geführt, dass man alle Tiere von der Alp runtergeholt hat. Das Risiko erneuter Wolfsangriffe war zu hoch, denn der Wolf ist nach dem Angriff nicht verschwunden, sondern war weiterhin präsent. Deshalb musste davon ausgegangen werden, dass wieder die gleiche Situation eintreffen würde, wenn man nicht handelt.

Gab es keine Alternativen als abzualpen?
In der aktuellen Situation hat es keine Alternative gegeben. Man hat ja auch nicht mit einem so schlimmen Ausmass gerechnet. Um weitere Schadensbilder zu verhindern und den Schutz der Tiere gewährleisten zu können, gab es keine Alternative. Das Risiko war zu hoch.

Was geschieht jetzt mit den Tieren?
Es handelt sich um eine sehr grosse Hirtschaft. Die Tiere wurden auf die Heimbetriebe zu ihren Besitzern geführt. Jeder Besitzer entscheidet nun selber, was er mit ihnen macht. Ein Grossteil wird auf andere Alpen verteilt.

Kommt es häufig vor, dass Alpen wieder abgealpt werden?
Man hat schon mehr erlebt, dass es zu Abalpungen gekommen ist. Im Engadin zum Beispiel haben bereits Teilabalpungen, also dass man einen Teil der Herde runtergeholt hat, stattgefunden. Aber wir waren noch nie mit so einer Situation konfrontiert, dass so kurz nach der Bestossung wieder abgealpt wurde. Ich gehe davon aus, dass dies in der nächsten Zeit häufiger vorkommen wird, der Wolfsdruck im Kanton steigt immer mehr an.

Welche Konsequenzen hat das Herunterholen der Tiere auf die Alp?
Die Konsequenzen sind sehr gravierend. Vergandung und Verbuschung werden fortschreiten. Die Tiere können die vorhandene Futterquelle nicht nutzen. Die Alp wird einwachsen, ungenutzt und brach daliegen. Es wird also genau das passieren, was wir immer befürchtet haben. Die alpwirtschaftliche Nutzung mit Tieren ist so nicht mehr möglich.

Thomas Roffler ist Präsident des Bündner Bauernverbands.
Robert Alder

Wie sieht die Wolfsituation in Graubünden aktuell aus?
Es gibt eine strake Zunahme der Tiere, und es wird auch eine weitere Rudelbildung geben. Es werden auch in diesem Jahr wieder viele Welpen auf die Welt kommen, und die Vermehrung der Population wird sehr stark ansteigen. Durch das weitere Rudel kommt es zu einer Flächenausdehnung der Population. Der Wolf hält nun in Regionen wie dem Prättigau Einzug, welche bis zu diesem Frühling keinen grossen Wolfsdruck hatten. Die Übergriffe auf Nutztiere nehmen ständig zu, der Wolf reisst nicht mehr nur Wildtiere, sondern weitet das Beuteschema auf Nutztiere aus.

Was wird im Kanton Graubünden gegen den Wolfsdruck unternommen?
Landwirte bauen wann immer möglich gemeinsam mit den Herdenschutzbeauftragten Herdenschutzmassnahmen auf. Das funktioniert teilweise. Aber die Wölfe gewöhnen sich daran und ändern ihr Jagdverhalten. Der Kanton hat gemeinsam mit dem Plantahof in Sachen Beratung und Prävention personell sehr stark aufgestockt. Was immer möglich ist, wird geleistet.

Was wünschen Sie sich bezüglich des Wolfs?
Eine vernünftige Regulation von Problemtieren und dass man das nötige Augenmass und Vernunft anwendet. Wir haben sehr grosse Differenzen mit den Umweltorganisationen, welche die Problematik für die Alpwirtschaft und die Nutztiere nicht sehen wollen.

Was sagen Sie zum angepassten Wolfsgesetz?
Wir sind enttäuscht, dass der Handlungsspielraum nicht ausgenutzt wurde. Zudem sind wir nicht zufrieden, dass die Zahl der gerissenen Schafe nach wie vor so hoch ist und man nicht Problemwölfe schiessen darf, wir sind davon ausgegangen, dass sie sich im einstelligen Bereich befinden würde. Unverständlich ist auch, dass der Wolf bei einem Riss von einem Grossvieh wie zum Beispiel einem Rind nicht sofort zum Abschuss freigegeben wird und erneut gewartet wird, bis man handeln kann. Am allermeisten stört uns, dass die Kompetenzen nicht an die betroffenen Kantone übertragen werden.

Beenden Sie die Sätze…

Eine Abalpung ist… für mich ein Albtraum.

Der Wolf ist… ungerechtfertigt viel zu stark geschützt.

ist…meine Leidenschaft und mein Traumberuf.

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Quelle: erbauer.ch