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Wie die Pandemie die Märkte beeinflusste

  • Die Ausgaben für Lebensmittel inkl. Getränke im stationären Schweizer Detailhandel stiegen im 2020 auf einen Rekordwert von 29,9 Mrd. Fr. – Tumisu
  • Im Gegensatz dazu erlebten der Gastronomiesektor und damit verbunden der Zustell- und Abholgrosshandel ein äusserst einschneidendes Jahr – Monika Helfer
  • Die Online-Verkäufe von Lebensmitteln haben im vergangenen Jahr einen deutlichen Zuwachs erlebt. – Gerd Altmann

Rekordumsätze mit Lebensmitteln im Detailhandel, ein florierender Online-Handel und deutliche Einbrüche in der Gastronomie: Das Corona-Jahr 2020 hat Spuren im Agrar- und Lebensmittelmarkt hinterlassen.

Die seit einem Jahr andauernde Pandemie hat die Agrarmärkte massiv beeinflusst. Geschlossene Gastronomie, mehr Einkäufe im Detailhandel und Online-Einkäufe haben das Einkaufsverhalten verändert. Das zeigt ein Sonderbericht des Fachbereichs Marktanalyse des Bundesamtes für (BLW).

Detailhandel mit Rekord

Die Ausgaben für Lebensmittel inkl. Getränke im stationären Schweizer Detailhandel stiegen im 2020 auf einen Rekordwert von 29,9 Mrd. CHF, was einem Umsatzplus von 11,3 % entspricht . Mit einem Umsatz von 3,185 Mrd. Fr. im stationären Detailhandel legte das Geschäft mit Bio-Produkten um 16,5 % zu und erreichte damit einen Marktanteil von 10,7 %.

Auch die Online-Verkäufe von Lebensmitteln haben im vergangenen Jahr einen deutlichen Zuwachs erlebt. Über alle Kategorien betrachtet, stieg der Online-Umsatz gemäss Nielsen-Monitoring um 18,8 % gegenüber 2019.

Markturbulenzen

Die Markturbulenzen wirkten sich auf die Agrarprodukte unterschiedlich aus. Für Märkte, bei denen die Gastronomie einen wichtigen Absatzkanal darstellt, namentlich für Rind- und Kalbfleisch, mussten teilweise spezielle Massnahmen zur Stabilisierung der Marktlage ergriffen werden, so zum Beispiel zusätzliche Fleischeinlagerungen.

Auf anderen Märkten sorgte die höhere Nachfrage im Detailhandel für einen zusätzlichen Importbedarf, etwa bei Konsumeiern, Äpfeln, Karotten oder Bananen. Der zeichnete sich im 2020 durch Engpässe bei Butter aus. Diese Engpässe konnten über zusätzliche Importe gedeckt werden. Diese Entwicklung hatte im Grunde nichts mit der Pandemie zu tun, sondern lässt sich vielmehr mit der laufend steigenden inländischen Käseproduktion erklären, die bezüglich Milchfett in Konkurrenz zur Butterproduktion steht.

Fleisch

Der Fleischmarkt hat sich nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 im weiteren Jahresverlauf erholt. Die Preise für Schlachtvieh sind im Jahr 2020 insgesamt gestiegen. Nach dem starken Preisrückgang bei Rind- und Kalbfleisch im ersten Lockdown sind die Preise im dritten und vierten Quartal wieder angestiegen und lagen über den entsprechenden Preisniveaus der Vergleichsperioden im Jahr 2019. Allerdings stieg mit den Restaurantschliessungen zum Jahresende der Preisdruck erneut, insbesondere auf Kalbfleisch.

Der Schweinemarkt ist gegen Jahresende aus dem Gleichgewicht geraten. Das Überangebot in der Produktion drückte den Produzentenpreis deutlich, wobei das Preisniveau über das ganze 2020 betrachtet noch über dem Vorjahresniveau lag

Milch

Der Schweizer präsentierte sich stabil. Die tiefen Lagerbestände bei Butter im 2020 im Vergleich zum Vorjahr sind unabhängig von der COVID-19-Pandemie. Die Käseexporte verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 1,4 %. Mit einer Zunahme von 11,7 % verzeichneten die Käseimporte gegenüber dem Vorjahr ein starkes Wachstum.

Der Produzentenpreis für Milch lag im vierten Quartal bei 68,4 Rp. /kg und damit 1,2 Rp. /kg über dem Vorjahresniveau. Insgesamt lag der Produzentenpreis für Milch im 2020 um 2,8 % über dem Vorjahresniveau. Der internationale hat sich im 4. Quartal 2020 weiter erholt. Verschiedene Marktsegmente, insbesondere Butter und Milchpulver, verzeichneten in den letzten Monaten eine Erholung.

Die EU-Spotmarktpreise für Milch entwickelten sich seit Anfang 2021 positiv (EU spot prices of raw milk). Der EU- ist im vierten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal leicht gestiegen, im Vorjahresvergleich ist dieser jedoch leicht gesunken.

Eier

Der Schweizer Eiermarkt ist im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Die Inlandproduktion verzeichnete unabhängig von der Pandemie einen Anstieg um 6,3 %. Damit wurde mit 1,064 Mrd. Stück zum zweiten Mal in Folge über eine Milliarde Inlandeier produziert.

Ebenfalls gestiegen sind die Konsumeierimporte, wohingegen die Importe für Eiprodukte und Verarbeitungseier deutlich gesunken sind. Diese Nachfrageveränderungen lassen sich mit den behördlichen Massnahmen zur Pandemiebekämpfung erklären.

Die Importe für Konsumeier stiegen um über 20 % und fanden im Schweizer Detailhandel entsprechenden Absatz. Dieser verzeichnete ein Absatzplus von fast 16 %. Die Nachfrage nach Bio-Eiern stieg dabei in gleichem Masse wie jene nach Bodenhaltungs- und Freilandeiern.

Kartoffeln

Mit der Wiedereröffnung der Gastronomie sowie dem Erntebeginn der Schweizer Frühkartoffeln stellte sich ab dem dritten Quartal im Kartoffelmarkt eine gewisse Normalisierung ein. Auch beim Konsum im Detailhandel zeigte sich bis im dritten Quartal eine gewisse Angleichung zum Vorjahr. Lagen die Speisekartoffelabsätze im zweiten Quartal 2020 rund 28 % über jenen des Vorjahresquartals, so lag dieser Wert im dritten Quartal noch bei rund 4 %. Im vierten Quartal stieg der Absatz wieder deutlich an und lag um 12 % höher als im Vorjahr. Im 2020 erhöhte sich der Absatz von Speisekartoffeln im Detailhandel insgesamt um 14,7 % gegenüber 2019.

Während des Lockdowns im Frühjahr wurde die erhöhte Nachfrage nach Speisekartoffeln im Detailhandel im Wesentlichen über die Erhöhung des Importkontingents abgedeckt. Die Importe von Speisekartoffeln waren folglich im zweiten Quartal 2020 um 8’282 Tonnen höher (+145 %) als im Vorjahresquartal. Die meisten Importe fanden im Mai statt

Früchte und Gemüse

Die Lage im Früchte- und Gemüsemarkt hat sich nach den Turbulenzen im Frühjahr im Sommer erholt. Zeitweise näherten sich die Verkaufsmengen im Detailhandel dem Vorjahresniveau an. Zum Jahresende hin stiegen die Absätze wieder an, sowohl bei Früchten als auch bei Gemüse. Insgesamt lagen die Umsätze mit Früchten im 2020 um 8,6 % über den Umsätzen des Vorjahres. Vor allem Bio-Früchte erzielten hohe Umsätze (+15,5 %). Die Umsätze bei Gemüse stiegen ebenfalls, und zwar um 12,2 %. Auch hier hat das Bio-Segment einen überdurchschnittlichen Umsatz erzielt (+18,1 %).

Der Mehrbedarf an Früchten und Gemüsen lag im 2020 zwischen 3 % (Beeren) und 35 % (Ingwer / Kukuma) über dem Vorjahresniveau, abhängig von der Produktkategorie. Insbesondere Kabis rot und weiss (+27,1 %), Zwiebeln (+25,2 %), Gurken (+19,4 %), Zitrusfrüchte (+15 %), Karotten (+13,4 %), Trauben (+13,3 %), Tomaten (+12,1 %), Äpfel (+8,5 %) oder Bananen (+7.3 %) verzeichneten einen stark erhöhten Mehrbedarf, der teilweise über Mehrimporte gedeckt wurde.

Eine Analyse des Standard-Warenkorbs mit ausgewählten konventionell produzierten Früchten und Gemüsen des Fachbereichs Marktanalysen weist für das Jahr 2020 für fast jeden Monat tiefere Preise aus als der Durchschnitt der vier Vorjahre

Backwaren und

Die Nachfrage nach /Backwaren im Schweizer Detailhandel ist im vergangenen Jahr mit einem Absatzplus von fast 6,2 %. deutlich gewachsen. Die Nachfrage nach Bio-/Backwaren stieg mit 7,2 % etwas stärker im Vergleich zu Nicht-Bio-/Backwaren-Produkten.

Die Preise franko Mühle für inländisches Brot waren im 2020 stabil und veränderten sich gegenüber Vorjahr kaum. Auch die Preise franko Mühle für Weissmehl für die Industrie veränderten sich im 2020 kaum gegenüber Vorjahr. Die Verfügbarkeit von inländischem Brot war im 2020 gut, ebenso die Qualität der neuen Weizenernte 2020.

Insbesondere der Absatz von Mehl wies deutliche Mehrabsätze auf. So verzeichnete die Kategorie Mehl im 2020 insgesamt eine zusätzliche Nachfrage von fast 40 %, der Absatz von Bio-Mehlen konnte im 2020 um beinahe 60 % gegenüber Vorjahr gesteigert werden

Weniger Einkaufstourismus

Der Einkaufstourismus sank im Lebensmittelbereich über das ganze Jahr betrachtet um 42 Prozent. Auch als nach dem ersten Lockdown die Einkäufe ennet der Grenze wieder einfach möglich waren, erreichte er nie das Niveau des Vorjahres. Bereits vor dem Lockdown habe sich die Nachfrage nach Lebensmitteln beim Einkaufstourismus stabilisiert, so das BLW. Bei einzelnen Produktgruppen kam es seit 2018 trotz starkem Franken zu einem deutlichen Rückgang. Die Prognosen für 2021 hängen mit der Wechselkursentwicklung und dem Pandemieverlauf zusammen – sind also noch nicht absehbar.

Online: Fleisch legt deutlich zu

Auch der Online-Handel legte 2020 zu. Über alle Kategorien um 18,8 Prozent. Das grösste relative Umsatzplus erzielten Fisch mit 38,2 Prozent sowie Fleisch mit 27,9 Prozent.

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Quelle: schweizerbauer.ch