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Weihnachtsgeschichte: Trotz Blutspur ein Happy End?

  • Was als reine Routine beginnt, beschert Bauer Hans ein turbulentes Weihnachtsfest. – Nastya Gepp

Weihnachten ist das Fest der Liebe und wird meist im familiären Rahmen gefeiert. Doch manchmal kommt das eine oder andere dazwischen, wie in der diesjährigen «Schweizer Bauer»-Weihnachtsgeschichte.

«Hans, wir haben immer noch keinen Tannenbaum!» Vorwurfsvoll schallt die Stimme von Ursula von der Küche ins Wohnzimmer. Der Angesprochene hat es sich dort gerade gemütlich vor dem Fernseher eingerichtet. Er will das Ski-Weltcuprennen verfolgen. «Mmm», brummelt er, kümmert sich aber nicht weiter um seine Gattin.

«Haaaans!», tönt es nun von ganz nahe. Ursula steht direkt neben ihm. In Küchen-Vollmontur, also mit Schürze und Wallholz. Letzteres hält sie in der rechten Hand und schlägt rhythmisch in die linke Handfläche. Das Ganze sieht recht eindrücklich aus, zumal ihr Gesichtsausdruck nun nicht wirklich freundlich zu sein scheint.

Ein Bäumchen muss her

Hans kämpft sich aus dem bequemen Sofa hoch, zieht seinen Gurt etwas fester und macht sich auf den Weg. Eigentlich geht er ja gerne in den Wald. Und für ihn, der schon so manchen grossen Baum gefällt hat, ist das Fällen eines Weihnachtsbaums nun wirklich kein Problem. «Schnittschutzhosen brauche ich dafür gewiss nicht», denkt er sich. Die Motorsäge hingegen schon. Das wäre ja noch, im Wald mit einer Fuchsschwanzsäge zu hantieren.

Er weiss ja ungefähr schon, welches Bäumchen er fällen möchte. Und der Weg ist nicht weit. Mit der Motorsäge in der Hand geht er schnurstracks in Richtung Waldrand. «Eigentlich schade, so einen gut gewachsenen, jungen Baum bereits abzuschneiden», denkt Hans bei sich. Aber Ursula mag es nicht, wenn er einen weniger schönen, schief oder asymmetrisch gewachsenen Baum nach Hause bringt.

… schneller, als gedacht

Die Motorsäge läuft. Hans macht einen Schritt nach vorne auf dem gefrorenen Boden. Er setzt die Säge an. Und schon ist das Bäumchen gefällt. Doch noch was anderes fällt. Hans gleitet auf dem eisigen Schnee aus. Direkt auf die Motorsäge. Und da die Säge noch am Auslaufen ist, zerrreist sie ihm die Jeans. «Nicht weiter schlimm», denkt er sich. Und macht sich auf. Die Motorsäge in der einen, den Tannenbaum mit der anderen Hand hinter sich herziehend. «Wo bleibt bloss Hans? So lange kann das mit dem Weihnachtsbaum doch nicht dauern?», denkt Ursula. Sie tritt vor das Haus und schaut nach.

Dort sieht sie alle drei liegen: Die Motorsäge, den Tannenbaum und ihren Hans. Hinter ihnen eine rote Spur. «Hans, was ist los?», ruft sie und eilt zu ihm. Sie schüttelt ihn. Keine Reaktion. Nun hält sie sein Handgelenk und fühlt den Puls: «Gottlob, der Puls ist schwach, aber er lebt.» Hans merkt von all dem nichts. Auch nicht von der Ambulanz, die ihn abholt und ins Spital bringt. Erst auf dem Weg dorthin kommt er zu sich. «Was ist?», meint er fragend. Seine besorgte Ehefrau ist in dem Moment überglücklich.

Plötzlich ist nichts mehr selbstverständlich, und die Familie erkennt, was wirklich wichtig ist.
zvg

Blutspur im Schnee

«Du hast dir ins Bein geschnitten und recht viel Blut verloren», sagt sie zu ihm. Und schon taucht er wieder ab ins Reich der Träume. Hans erwacht erst wieder, als er im Spitalbett liegt. Eigentlich fühlt er sich gar nicht mal so schlecht. Nur müde. Er dreht den Kopf auf die andere Seite und sieht seine Ursula. Sie hält seine Hand und drückt sie nun ganz fest. «Hans, ich bin so froh, dass es nicht schlimmer ist», meint sie mit Tränen in den Augen. Hans hatte sich beim zunächst harmlos scheinenden Schnitt ein Blutgefäss verletzt. Und dadurch viel Blut verloren.

Aber abgesehen davon entstand glücklicherweise kein grösserer Schaden im Bein. Kurz darauf kommt der Arzt rein. Er habe Glück gehabt, meint dieser. Nun sei jedoch die Wunde genäht und das Blut durch eine Transfusion ersetzt. «Eine Nacht müssen Sie jedoch im Spital bleiben», fügt der Mediziner an. Heiligabend im Spital? Hans ist gerade nicht so begeistert. Da der Spitalbetrieb über die Festtage heruntergefahren wird, hat er das Zimmer für sich allein. Aber genau das beelendet ihn nun noch zusätzlich.

Späte Reue

So ganz mutterseelenallein Weihnachten zu feiern, darauf freut er sich nun wirklich nicht. Seine Frau merkt scheinbar nichts davon. «Hans, ich muss nun schleunigst los. Zum Glück habe ich schon fast fertig gekocht. Aber den Baum, ja diesen Baum, muss ich ja noch schmücken! Gute Besserung!» Sie drückt ihm einen flüchtigen Kuss auf den Mund, und weg ist sie.

Nun liegt er da, der arme Hans. «Ach, hätte ich nur die Schnittschutzhose angezogen», denkt er sich. Bald schon kommt das Nachtessen. Café complet, Körnerbrot mit sehr jungem Schnittkäse undefinierbarer Herkunft. Immerhin gibt es noch etwas Butter dazu. Schon bald wird das bescheidene Mal abgetragen. Das Personal, das keinen Nachtdienst hat, will rasch Feierabend machen. Und nun liegt er da. Drückt sich durchs Fernsehprogramm. Überall sieht er Filme mit Familien, die miteinander Weihnachten feiern. Hans drückt den roten Knopf auf der Fernbedienung. Nun muss er doch etwas weinen.

Eine Kerze brennt

Doch auf einmal hört er etwas. Die Türe öffnet sich langsam. Er glaubt es kaum: Seine Ursula und ihre beiden Kinder stehen auf einmal vor ihm. Ursula hält ein Gesteck mit einer brennenden Kerze in der Hand. «Mehr als eine Kerze dürfen wir nicht anzünden wegen dem Brandmelder», erklärt sie. Doch für Hans ist das schöner als der grösste Tannenbaum!

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Quelle: schweizerbauer.ch