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Spaziergänger füttern Brot – Schafe tot

  • Unbekannte haben die Schafe mit Brot gefüttert. (Symbolbild) – Michael Gaida

Im bernischen Biberen sind in den vergangenen Tagen vier Schafe verendet. Die Tiere haben sich mit Brot «überfressen» und starben an Übersäuerung. Die Schäfer appellieren an die Bevölkerung, das Füttern zu unterlassen.

Das Felder im Westen von Bern sind mit einer dünnen Schneedecke bedeckt. Für die mehrere hundert Schafe kein Problem, sie finden auf den Feldern genügend Nahrung.

Mägen mit Brot gefüllt

Einige Spaziergänger sahen das offenbar anders. Sie haben den Tieren Brot zugefüttert. Dies mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht böser Absicht. Das Füttern hatte tödliche Folgen, wie «20 Minuten» berichtet. Denn innerhalb von wenigen Tagen sind vier Schafe gestorben.

«Die Todesursache wurde klar, als wir den toten Schafen den Magen aufschnitten», sagt ein Jung. Der Pansen – der erste und grösste Vormagen der Wiederkäuer – war in allen Fällen mit Brot gefüllt: «Die Tiere sind an einer Übersäuerung gestorben», so der 22-Jährige zu «20 Minuten». Eine Überdosis an Stärke habe den vier Mutterschafen das Leben gekostet.

Schaf kann Menge nicht einschätzen

Gemäss dem haben Spaziergänger das Brot an die Schafe verfüttert. Vier Tiere haben das Brot fast im Alleingang verschlungen. «Ein Schaf kann nicht einschätzen, wie viel Brot ungesund ist. Es frisst einfach weiter», so der weiter.

Brot kann somit zu einer tödlichen Gefahr werden. Die Stärke des Brotes könne nicht mehr abgebaut werden, sagt Odilo Fässler von der Schafzuchtgenossenschaft Fällanden. «Dies kann zu Blähungen oder Durchfall führen», erklärt der Schafzüchter. Im Extremfall führe die Stoffwechselstörung, die Pansenazidose, zum Tod durch Kreislauf- oder Nierenversagen.

Keine Tiere füttern

Nebst dem emotionalen Schmerz bedeutet der Abgang für die betroffenen Bauern auch eine finanzielle Einbusse. Die Schafe hätte im Frühling gelammert. «Für uns ist ein Schaden von rund 1000 Franken entstanden», sagt der zu «20 Minuten».

Die Schäfer haben die Herde nun in eine Weide gezügelt, die für die Spaziergänger weniger zugänglich ist. Auf das Füttern fremder Tiere solle verzichtet werden, appellieren die Schäfer an die Bevölkerung. Um die Schafe zu füttern, brauche es Fachwissen.

Pansenazidose

Pansenazidose wird durch die Gabe einer zu grossen Menge an Kohlehydraten in der Ration hervorgerufen. Diese können von den Pansenmikroben nicht mehr in vollem Umfang abgepuffert werden. Laktobazillen übernehmen deren Aufgabe, produzieren aber aus den Kohlehydraten keine flüchtigen Fettsäuren, sondern Milchsäure, die die Pansenschleimhaut nachhaltig schädigt und in weiterer Folge zu einer stoffwechselbedingten Übersäuerung und Organversagen führt.

Bei der schweren Verlaufsform, der akuten Pansenazidose, verweigern die Schafe die Nahrungsaufnahme, auch Wasser wird verweigert. Die Tiere zeigen Flankenzittern und werden apathisch. Zähneknirschen aufgrund der starken Schmerzen im Pansen und Bauchraum ist zu erkennen. Der Puls beginnt zu rasen, die Körpertemperatur bleibt aber fast immer im Normbereich.  Der Bauch ist gespannt und die Tiere zeigen Schmerzen, wenn man den Pansen abtasten möchte. Das Maul riecht sauer und meistens zeigen die Tiere auch wässrig-schaumigen Durchfall, Harn wird nur wenig bis gar nicht abgesetzt. Die Augen sinken tief in die Augenhöhlen ein. Bereits wenige Stunden nach Krankheitsbeginn liegen die Tiere fest, fallen schliesslich ins Koma und verenden unter Schmerzen.

Liegen die Tiere bereits fest, besteht nur noch eine geringe Chance auf Heilung, die Tiere benötigen Infusionen oder eine Intensivtherapie, die meist unwirtschaftlich ist.

Tierärztin Gabriele Deinhofer, schaftskammer Salzburg auf bio-austria.at

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Quelle: schweizerbauer.ch