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«Mehr Achtung vor Natur durch Anpflanzen»

  • Walter Bühler empfiehlt, die Neugestaltung eines Gartens nach und nach zu entwickeln. – Samuel Krähenbühl

Der 34-jährige Walter Bühler aus Kräiligen BE ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Nach der Lehre als Landschaftsgärtner hat er eine Zweitausbildung als absolviert. Seit 2017 ist er als Berufsbildner im Gartenbau am Berufsbildungszentrum Emme in der Gartenbauschule Oeschberg bei Koppigen BE tätig.

«Schweizer Bauer»: Was sind heute die Tätigkeitsfelder eines Landschaftsgärtners?
Walter Bühler: Der Landschaftsgärtner ist noch immer zu grossen Teilen in der Landschaftspflege von Grünanlagen tätig. Der andere Teil besteht stark aus Bauarbeiten. Wenn bei einem Bauprojekt Gipser und Maler fertig sind, dann kommt der Landschaftsgärtner. Das geht von Belagsarbeiten, Mauern und Treppen, Bauen von Schwimm- oder Naturteichen bis hin natürlich zur Bepflanzung.

Dann haben Sie also eine grosse Schnittmenge zu anderen Berufsfeldern?
Ja, das ist so. Und das ist auch eine Herausforderung. In Kürze kommt die neue Bildungsverordnung. Die Frage darin stellt sich: Wie soll der Gärtner der Zukunft überhaupt aussehen? Und da können natürlich auch Bereiche rausfallen. Der Bau von Wasseranlagen ist zum Beispiel bereits ein Weiterbildungsthema und nicht mehr in der Grundbildung enthalten.

Dabei wäre ja eigentlich gerade der Teichbau im Trend?
Es gibt schon lange Teiche, auch Badeteiche. Aber der Bereich ist tatsächlich ziemlich im Aufwind. Heute werden gar alte Swimming-Pools in Badeteiche aufgewertet. Heute wollen die Menschen nicht mehr unbedingt einen klinisch sauberen Pool, sondern auch etwas Grünpflanzen. Allerdings sind Badeteiche nicht gerade günstig. Damit es funktioniert, braucht es einen rechten Aufwand, schon nur vom Platz her.

Was ist am wichtigsten beim Gestalten eines Gartens?
Es braucht ein Feingefühl für den Kunden und seine Bedürfnisse, also eine seriöse Bedürfnisabklärung. Ist der Kunde eine junge Familie, welche noch Spielgeräte für ihre Kinder braucht? Dann sieht der Garten anders aus als bei einem älteren Ehepaar. Bei der Wahl der Bepflanzung empfiehlt sich eine Standortanalyse z. B. mittels einer Spatenprobe. Denn wenn die Pflanzen nicht standortgerecht sind, können sie sich nicht entwickeln. Man sollte auch die Ressourcen vor Ort nutzen. So macht es wenig Sinn, den schönsten Humus abzuführen und Wandkies hinzuführen, um eine Magerwiese zu ermöglichen. Man sieht auch einen Trend, dass man gewisse Nutzpflanzen selber produzieren kann. Die Hochbeete etwa sind momentan massiv im Trend. Nutz- und Ziergärten durchmischen sich eher wieder. Ich finde das gut. Wenn die Menschen selber wieder Pflanzen anbauen, dann sehen sie auch, wie anspruchsvoll das ist. Und bekommen wieder mehr Achtung vor der Natur.

Was ist sonst im Trend im Gartenbau?
Wir merken, dass das Bewusstsein für Regionalität stärker wird. So werden vermehrt Natursteine aus der Region eingesetzt und weniger Importware. Der Garten wird auch vermehrt zum Lebensraum oder regelrecht zum «Aussenzimmer». Ich kenne auch viele junge Bauernfamilien, welche den Garten als Erholungsoase zum Geniessen wollen. Der perfekt gepflegte Garten, der eher ein Repräsentationsobjekt ist, rückt in den Hintergrund.

Wir stehen vor wichtigen Volksabstimmungen, bei denen es auch um eine Abkehr vom Pflanzenschutz geht. Wie sieht es diesbezüglich in den Gärten aus?
Das Bewusstsein für mehr Naturnähe ist gewachsen. Doch wollen zwar viele Menschen mehr Natur, aber sind leider im eigenen Garten noch zurückhaltend. Der Wandel steht und fällt aber auch mit uns Gärtnern. Wenn wir die Kunden richtig beraten, dann ist auch Veränderung möglich.

Welchen Platz haben denn chemisch-synthetische Mittel heute noch in einem Garten?
Aus persönlicher Sicht haben chemisch-synthetische Mittel im Garten keinen Platz. Leider werden im Garten noch immer sehr viele solcher Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Der Garten stellt ein Luxusgut dar und dient nicht oder nur im begrenzten Rahmen der Lebensmittelproduktion. Hier gibt es eine grosse Verantwortung für Gartenbesitzer und Gärtner, die es mitzutragen gilt.

Und was kann man denn tun, damit der Chemie-Einsatz im Garten weniger wird?
Indem man Zeit investiert, einen schönen Rasen mit wenig Beikräutern erreicht man auch ohne Pflanzenschutzmittel. Aber er benötigt mehr Pflege und eine gute Ernährung. Oder beispielsweise, indem man wegkommt von klassischen Rosen und Blumenbeeten hin zu Stauden-Mischpflanzungen. Das ist ähnlich wie bei einer Mulchsaat: Der Boden ist immer bedeckt und somit werden Giessdurchgänge reduziert. In den ersten zwei, drei Jahren muss man den Beikräutern nachgehen. Wenn man hier Zeit investiert, dann hat man Ruhe. In Stauden-Mischpflanzungen füllen kurzlebige, meist 2-jährige Arten die Lücken. Die längerlebigen kommen dann langsam auf und übernehmen deren Platz. Aber man muss auch nicht meinen, dass man in naturnahen Gärten keine Pflege mehr brauche.

Haben Sie abschliessend noch einen Tipp, wie man eine Gartengestaltung angehen sollte?
Eine schöne Umgebung braucht Zeit. Und auch Pflanzen brauchen Zeit zum Wachsen. Manchmal macht es Sinn, nach einem Neubau zunächst eine einfache Gartengestaltung zu wählen. Und dann den Garten nach und nach zu entwickeln. Finden Sie Ihre Lieblingsplätze im neuen Zuhause, erweitern Sie diese mit Pflanzen oder Ausstattungen, die Ihren Bedürfnissen entsprechen. Weniger ist manchmal mehr.

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Quelle: schweizerbauer.ch