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«Initiativen sind Mogelpackung»

  • Die beiden extremen Agrar-Initiativen verfehlen gemäss Schweizer Bauernverband das Ziel. Sie gefährden die regionale, einheimische Produktion und verteuern die Lebensmittel. – zvg

Im kommenden Juni kommen die Trinkwasser- und Pestizidverbots-Initiative zur Abstimmung. Der Schweizer Bauernverband (SBV) bringt sich in Stellung. Für den SBV sind die Initiativen eine Mogelpackung. Er hat eine Webseite dazu aufgeschaltet.

Vier von fünf Franken verdienen die Landwirtinnen und -wirte in der Schweiz mit dem Verkauf ihrer Produkte. Die Konsumenten kaufen gemäss Verband zu 90 Prozent ihr Essen in einem Detailhandelsgeschäft ein.

Fehlende Toleranz

Und «dieser Markt ist gnadenlos», teilte der SBV am Mittwoch mit. «Was im Laden liegen bleibt, wird ausgemerzt. Das startet bei pflanzlichen Produkten, die strengen Normen entsprechen müssen. Für Äpfel mit Rost oder oberflächlichen Pilzflecken hat es genau so wenig Platz wie für von Schädlingen angeknabbertes, unförmiges oder zu kleines Gemüse», hebt der SBV hervor.

Die fehlende Toleranz führe dazu, dass der Produzent die ganze Ladung Salat zurückbekommt, wenn bei der Kontrolle auch nur eine Raupe entdeckt wird, kritisiert der Verband den Handel. Aber auch die Konsumenten müssen sich aus der Sicht der Verbände ändern.

Kritik an Medien

«Obwohl die Schweizerinnen und Schweizer die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln gerne verurteilen, scheint die Angst vor Umwelt- oder Gesundheitsschäden spätestens beim Einkauf unter Kontrolle», schreibt der SBV im Communiqué. Er bezieht sich auf den tiefen Marktanteil von Bio-Produkten von 11 Prozent.

Der Bauernverband kritisiert auch die Medien. Obwohl die Verkäufe an chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln jedes Jahr sinken würden und heute gleich viel biologische wie chemische Mittel verkauft würden, sei die höchstens eine Kurzmeldung wert. «Zurück bleibt ein Berufsstand, der sich bemüht und auch viel erreicht, was aber (zumindest gefühlt) niemanden interessiert», so der Verband weiter. So sei der Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln sei seit 2010 um 37 Prozent gesunken.

Extreme Volksabstimmungen

Und die Pflanzenschutzmittel stehen in diesem Jahr. Am 13. Juni kommen die Trinkwasser- und Pestizidverbots-Initiative zur Abstimmung. «Die zwei extreme Volksabstimmungen sind eine Mogelpackung», betont der Bauernverband.

Ohne die Möglichkeit, die Kulturen im Bedarfsfall vor Pilzen oder Schädlingen zu schützen, könne die die vom Markt gewünschte Menge und Qualität nicht produzieren. «Gegessen würde trotzdem. Zum Zug kämen dann einfach vermehrt importierte Lebensmittel», so der SBV. Bereits heute falle 75 Prozent des konsumbedingten Fussabdruckes der Schweiz im Ausland an.

Negative Auswirkungen auf die Umwelt

Die Schweizer sbetriebe haben gemäss SBV bereits gesamthaft 16 Prozent ihrer Flächen für die Förderung der biologischen Vielfalt und Insekten ausgeschieden. «Bedingung, um überhaupt zu erhalten, wären pro Betrieb 7 Prozent», hebt der Bauernverband hervor.

Die Trinkwasserinitiative habe negative Auswirkungen auf die Umwelt. Mit der Fokussierung auf die lasse sie den Schweizer Betrieben zwei Wege: Entweder sie verzichten auf und maximieren den Produktionsoutput. «Das wird der Weg der meisten Obst-, Gemüse oder Weinbetriebe sowie jener mit Geflügel- und Schweinehaltung sein», heisst es in der Mitteilung.

Politisch erwirktes Bioland

Weil die Bauern die Kulturen nicht mehr schützen könnten, würden Raps, Kartoffeln oder Zuckerrüben verschwinden. «Die Folgen sind zunehmende Importabhängigkeit bei diesen Produkten und eine weniger vielfältige Fruchtfolge, was den Schädlings- und Krankheitsdruck verstärkt. In allen Fällen ist die Gesamtumweltbilanz negativ», bilanziert der SBV.

Die Pestizidverbots-Initiative ist aus der Sicht des Bauernverbandes konsequenter in der Formulierung. Die Schweiz würde zu einem politisch erwirkten Bioland bei pflanzlichen Lebensmitteln. «Die Konsumentinnen und Konsumenten hätten keine Wahl mehr. Ausser sie gehen ennet der Grenze einkaufen», heisst es.

Website aufgeschalten

Für die könne eine solche Umsetzung ein Befreiungsschlag sein. Die Schweizer Produktion wäre nicht benachteiligt, weil die Importe die gleichen Anforderungen erfüllen müssen. Der SBV geht aber davon aus, dass die Umsetzung die WTO-Verpflichtungen der Schweiz verletzen würde.

Der Bauernverband hat den Abstimmungskampf eröffnet. Auf der Webseite www.extreme-agrarinitiativen-nein.ch führen die Bauernverbände die wichtigsten Argumente oder Grundlagen für die Diskussion rund um die beiden Initiativen «Für sauberes Trinkwasser» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» auf. «Es lohnt sich also, sich durchzuklicken und für den Austausch mit der Bevölkerung fit zu machen», empfiehlt der Verband den Landwirtinnen und Landwirten.

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Quelle: schweizerbauer.ch