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Fotovoltaik-Strom für Eigenverbrauch rechnet sich

  • Der Betrieb der Familie Müller setzt auf erneuerbare Energie – Hans-Peter Widmer
  • Am Haupttableau erkennt Andreas Müller die Produktions- und Verbrauchswerte. – Hans-Peter Widmer

Seit August deckt der Gemüsebaubetrieb Müller in Rothrist AG den Stromverbrauch teilweise durch eine Fotovoltaikanlage. Andreas Müller ist noch daran, das Energiemanagement mit den von der automatischen Steuerung gelieferten Daten und der Begleitung durch die Firma ISP Electro Solution zu optimieren. Aber schon jetzt ist er überzeugt, das Richtige gewagt zu haben.

Andreas Müller stand vor der Entscheidung, entweder die zu schwache 220 Meter lange elektrische Zuleitung zum Hof zu verstärken – Kostenpunkt rund 50’000 Franken – oder den wegen der Kühlanlagen relativ hohen Stromverbrauch auf dem Gemüsebaubetrieb mindestens teilweise durch eine eigene Energiequelle zu decken. Er entschied sich für eine Fotovoltaikanlage – Bruttoinvestition: 44’000 Franken plus einige Zusatzkosten für ohnehin fällige Installationserneuerungen.

Auf fruchtbarem Boden

Der von den Müllers in vierter Generation bewirtschaftete Hof mit dem schönen, blumengeschmückten Riegelwohnhaus liegt im Gebiet «Säget», am südlichen Rand des Rothrister Gemeindebanns. Der Flurname soll nach volkskundlicher Überlieferung «gesegnetes Land» bedeuten – im Gegensatz zur «Hungerzelg» in einem andern Teil Rothrists. «Unser Boden ist tatsächlich fruchtbar», bestätigt Andreas Müller.

Er gab die Viehwirtschaft mit 18 kühen auf, weil sich die notwendige Stallsanierung nicht rechnete. Anstelle des Stalls baute er diesen Sommer eine Kühllagerhalle und verstärkte den seit 25 Jahren betriebenen biologischen Acker- und Gemüseanbau. Der Betrieb verfügt über eine Nutzfläche von 24,4 ha. Davon sind 9,1 ha Eigen- und 15,3 ha . Angebaut werden Winterweizen, Urdinkel und Kartoffeln, Freilandgemüse (Salate, Minilattich, Fenchel, Zwiebeln, Tomaten usw.), Konservengemüse (Erbsen, Bohnen) und Lagergemüse (Rüebli, Sellerie, Kabis). Zur Schonung des Bodens werden 8 ha Kunstwiese in die Fruchtfolge miteinbezogen.

Andreas und Franziska Müller bereuen die Investition nicht.
Hans-Peter Widmer

Verbraucherprofil

Andreas Müller (52) und seine Gattin Franziska (45), die noch als Pflegefachfrau in der Spitex tätig ist, haben drei Söhne, 19-, 17- und 15-jährig, die in der Lehre bzw. im letzten Schuljahr sind. Der Betrieb beschäftigt einen fest angestellten Mitarbeiter und drei saisonal tätige polnische Personen. Zur Bewältigung von Arbeitsspitzen kooperieren die Müllers mit zwei Nachbarn, ebenfalls Biobetriebe. Das Frisch- und Lagergemüse wird über die Bioproduzentenorganisation Terraviva sowie im eigenen Hofladen vermarktet.

Durch die Erweiterung der Kühlanlagen musste sich Andreas Müller mit dem Strommehrverbrauch und der Frage auseinandersetzen, ob es gescheiter wäre, die Hofzuleitung zu verstärken oder selber Strom zu erzeugen. Er liess sich durch die ISP Electro Solutions in Solothurn, eine Tochterfirma der Bernischen Kraftwerke BKW, beraten. Der Entscheid fiel zugunsten einer Fotovoltaikanlage aus. Wichtig war das Verbraucherprofil, das klärte, wie viel Eigenbedarf und welche Verbrauchsspitzen die neue PV-Anlage decken sollte.

Innert 13 bis 15 Jahren amortisiert

Die Kalkulation ergab, dass der selber produzierte Strom mittelfristig günstiger ist als die zugekaufte Energie. Andreas Müller rechnet mit durchschnittlichen Strombezugskosten von 18 Rp./kWh. Die neue PV-Anlage kostet 44’000 Franken. Daran ist eine Rückvergütung des Bundes von 11’000 Franken zu erwarten. Michael Laubscher, Projektleiter bei ISP, geht davon aus, dass sich die Investition je nach der Deckung des Eigenverbrauchs innert 13 bis 15 Jahren amortisiert.

Die Anlage besteht aus 90 Solarmodulen auf dem südwestlich ausgerichteten Dach einer Gerätehalle. Sie hat eine maximale Leistung von 33,75 Kilowatt. Für eine Erweiterung ist noch Fläche vorhanden. Die Installationen beanspruchen erstaunlich wenig Platz: Der Wechselrichter wandelt an der Halleninnenwand den Gleichstrom vom Dach in netzkonformen Wechselstrom um. Am Hauptverteiler kann Müller jederzeit die Produktions- und Verbrauchsdaten ablesen; die Angaben liessen sich auch auf das Handy laden.

Die Anlage besteht aus 90 Solarmodulen.
Hans-Peter Widmer

Fotovoltaik passt zum Gemüseanbau

Die automatisch gesteuerte Anlage gebe keine Arbeit, bestätigt der Hofbesitzer. Das ISP-Monitoring sorgt für eine laufende Überwachung. Die Firma besorgte auch Planung, Installation und das ganze Bewilligungsverfahren. Andreas Müller ist schon jetzt überzeugt, dass die Jahreshauptzyklen des Gemüseanbaus und des Solarbetriebs vom Frühjahr bis Herbst gut zueinanderpassen. Und wenn die Speicherung von Solarstrom weitere Fortschritte mache, werde es erst recht interessant.

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Quelle: schweizerbauer.ch