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Entwarnung: IBR ist eingedämmt

  • Das IBR-Virus kann durch Ausscheidungen der Augen übertragen werden. – Virologisches Institut, Universität Zürich

Nach knapp 30 Jahren wurde kurz vor Weihnachten in der Schweiz die Krankheit Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR) bei einer Kuh nachgewiesen. Nun gibt der Kantonsarzt Entwarnung. Die Krankheit hat sich nicht weiterverbreitet. 

Seit 1993 hat die Schweiz den Status «Frei von IBR». Wenige Tage vor Weihnachten ist die gemäss Tierseuchengesetz auszurottende Tierseuche bei einem Rind im Prättigau festgestellt worden.

Abort-Untersuchung

«Im Zusammenhang von Untersuchungen von einem Rinderabort wurde im Dezember 2020 bei einem Rind im Kanton Graubünden ein Verdacht auf IBR festgestellt», teilte das Amt für und Tiergesundheit mit.

Um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, wurde das Rind umgehend geschlachtet. Der betroffene Betrieb wurde gesperrt. «Der Kanton klärt ab, mit welchen Tieren das erkrankte Rind Kontakt hatte. Sämtliche Betriebe mit Rindern, die Kontakt mit dem betroffenen Tier hatten, werden vorbeugend gesperrt», hiess es in der Mitteilung weiter.

4 Betriebe wurden gesperrt

Entdeckt wurde die Krankheit bei einer neunjährigen Kuh, die abortiert hatte. «Der Tierhalter hat den Abort anschliessend korrekt dem behandelnden Tierarzt gemeldet. Dieser wiederum hat die vorgeschriebenen Laboruntersuchungen in die Wege geleitet. Der Befund IBR wurde im Referenzlabor bestätigt», sagte Kantonstierarzt Giochen Bearth am 23. Dezember zu schweizerbauer.ch.

Und Bearth ging davon aus, dass noch mindestens zwei weitere Tiere im gleichen Betrieb mit IBR angesteckt wurden. «Bei diesen sind die Untersuchungen im Referenzlabor aber noch nicht abgeschlossen», sagte der Kantonstierarzt. Der Veterinär vermutete, dass sich die Kuh in der Schweiz infiziert hat. Insgesamt wurden vier Betriebe gesperrt.

Ausrottungsprogramm

Die Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR) trat in der Schweiz erstmals im Jahr 1977 massiv auf. Die Krankheit wurde mit einschneidenden Massnahmen bekämpft. 1983 wurde ein Ausrottungsprogramm gestartet. 1993 schliesslich erreichte die Schweiz den Status «Frei von IBR». Das Programm zur Ausrottung kostete 135 Millionen Franken.

Entwarnung

Rund 7 Wochen später hat sich die Lage deutlich entspannt. Die Ergebnisse der epidemiologischen Untersuchungen liegen nun vor. «Es sind keine weiteren Tiere auf dem Betrieb von der Rinderseuche betroffen. Abgesehen vom Abort bei der neunjährigen Kuh gab es nirgends klinische Symptome, die auf weitere Ansteckungen hingewiesen hätten», sagt Kantonstierarzt Giochen Bearth zur Zeitung «Südostschweiz».

Damit ist auch klar, dass die Krankheit nicht auf den Betrieb eingeschleppt wurde. Wie sich die Kuh aber infiziert hat, bleibt unklar. Der Kantonstierarzt vermutet, dass zusätzliche Antikörper gegen nah verwandte Viren zu unspezifischen Reaktionen führen können. Die rasche Sperrung der Betrieb sei gerechtfertigt gewesen. Denn IBR könne auch auf Schafe, Ziegen und Schweine übertragen werden. «Es ist deshalb wichtig, dass rasch Massnahmen eingeleitet werden, wenn die Seuche auftritt», macht Bearth gegenüber der «Südostschweiz» klar.

Seuchenfrei-Status

Das Bundesamt für und Tiergesundheit (BLV) gab sich im Januar gegenüber «Schweizer Bauer» zuversichtlich, dass nach vollständiger Abklärung des Falles der Seuchenfrei-Status wieder hergestellt werden kann.

Dieser Status hat gewichtige Vorteile: Schweizerische Nutztiere sind geschützt und die hohe Qualität von inländischen Produkten ist sichergestellt. Und ein gesunder Nutztierbestand sichert den Zugang zu ausländischen Absatzmärkten und ist im internationalen Umfeld ein wichtiger Wettbewerbsvorteil schweizerischer Produkte. Der Seuchenfrei-Status berechtigt die Schweiz zudem, beim Import von ausländischen Produkten einen gleichwertigen Qualitätsstandard zu verlangen. Damit wird das Risiko einer Einschleppung von Krankheiten aus dem Ausland verringert.

Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR)

IBR ist nicht heilbar. Ist ein Tier infiziert, kann sich der Erreger, ein Herpes-Virus, über längere Zeit ohne Symptome im Nervensystem der Tiere verstecken. Die Krankheit kann jederzeit, zum Beispiel bei Stress, wieder ausbrechen. Dabei werden jeweils Viren ausgeschieden, die andere Tiere anstecken können. Deshalb müssen alle infizierten Tiere getötet werden. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich.

Sie befällt vor allem Rinder. Beim Milchvieh sind eine länger andauernde reduzierte Milchleistung, Aborte und Fertilitätsprobleme frühe Anzeichen einer IBR-Infektion.

Der Erreger ist ein Virus der Gattung Varicellovirus. Er wird durch direkten Tierkontakt (vor allem Mastbetriebe) oder über die Luft übertragen (Tröpfcheninfektion). Ausscheidungen der Nasen und Augen, bei Aborten das Fruchtwasser und die Plazenta sowie der Samen angesteckter Stiere enthalten den Seuchenerreger. Zudem kann die Krankheit indirekt übertragen werden, z.B. über Futtertröge und Geräte. Auch Tiere ohne Symptome können den Erreger lebenslang ausscheiden. Impfstoffe gegen die Krankheit existieren, sind aber in der Schweiz nicht zugelassen.

-> Mehr zur Krankheit gibt es hier

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Quelle: schweizerbauer.ch