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Carrefour: Strafe für missbräuchliche Geschäftspraktiken

  • 1,75 Millionen Euro Strafe muss bezahlt werden. – pixabay

In Frankreich hat das Pariser Handelsgericht die Einzelhandelskette Carrefour aufgrund von missbräuchlichen Geschäftspraktiken zur Zahlung einer Strafe in Höhe von 1,94 Mio. Franken (1,75 Mio. Euro) verurteilt. 

Wie die Generaldirektion für , Verbraucherfragen und kontrolle (DGCCRF) in der vorvergangenen Woche berichtete, basiert das Verfahren auf Ermittlungen, die während der jährlichen Lieferverhandlungen der - und Ernährungswirtschaft mit dem Lebensmitteleinzelhandel im Jahr 2016 durchgeführt wurden.

Carrefour habe als Voraussetzung für die Aufnahme von Verhandlungen einen «ergänzenden Vertriebsrabatt» verlangt, der für die Neupositionierung des Unternehmens in bestimmten Marktsegmenten herangezogen worden sei.

Rabatt für Gegenleistungen

Der Rabatt sei nicht mit einer Gegenleistung verbunden gewesen und habe andere Beteiligungen an Logistikkosten nicht berücksichtigt. Zudem seien zur Durchsetzung auch Vergeltungsmassnahmen eingesetzt worden.

Gegen das Urteil kann nach Angaben der DGCCRF noch Berufung eingelegt werden, die Strafe müsse aufgrund der angeordneten vorläufigen Vollstreckung allerdings schon gezahlt werden. Der Konzern kündigte Medienberichten zufolge indes an, das Urteil zu akzeptieren.

Jedes Jahr neue Konflikte

Die fraglichen Praktiken seien 2016 eingestellt worden. Die Verhandlungen zwischen den Detailhandelskonzernen und ihren Lieferanten sorgen jedes Jahr aufs Neue für Konflikte. Die französische Regierung hatte 2017 mit den Runden Tischen zur - und Ernährungswirtschaft und dem daraus hervorgegangenen Gesetz zur Stärkung der Erzeuger versucht, einen Wandel anzustossen und das Ungleichgewicht zu korrigieren, bislang allerdings weitgehend erfolglos.

Noch kurz vor dem Ende der diesjährigen Handelsverhandlungen am 1. März hatten diverse Verbände der - und Ernährungswirtschaft einen anhaltenden «Preiskrieg» kritisiert, der für alle Zulieferer der grossen Handelsketten «immer noch die Regel» sei. Im Zentrum der Kritik standen höhere Kosten für und Logistik, die nicht weitergegeben werden könnten.

Neue Dumpingpreisdefinition gefordert

Der Verband der Hersteller von verarbeiteten Lebensmitteln (Adepale) wandte sich in der vergangenen Woche in einem offenen Brief an die Regierung und forderte, die Rahmenbedingungen für die jährlichen Verhandlungen anzupassen.

Neben einer Stärkung der Kontrollinstanzen will der Verband auch die Mechanismen zur Preisfindung überarbeitet sehen, beispielsweise durch Vorgaben zur Berücksichtigung von Saisonalität sowie eine neue Definition für Dumpingpreise. Der Adepale war im vergangenen Jahr aus dem Dachverband der Ernährungsindustrie (ANIA) ausgetreten und pocht seitdem auf einen eigenen Sitz im Ausschuss zur Überwachung der Handelsbeziehungen.

Begründet wurde die Trennung mit dem überproportionalen Einfluss grosser Unternehmen in der ANIA. Derzeitiger Präsident des Dachverbandes ist Richard Girardot, der Generaldirektor von Nestlé France. Sein Amtsvorgänger Jean-Philippe Girard stand an der Spitze des weltweit tätigen Mühlenunternehmens Eurogerm.

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Quelle: schweizerbauer.ch